Archiv für Zeitgeist

Brachycera und die fleischfressende Standuhr

Posted in Fantastisches, Fundsachen, Geniales, Uncategorized, Viechereien with tags , , , , , , , on April 20, 2011 by Heike Pohl

Der Frühling ist da und mit ihm die gemeine Fliege, wissenschaftlich Brachycera genannt.

Da hilft es nichts, dass Brachycera – ganz wie wie wir selbst – zu den Spaltschlüpfern zählt: Sie macht uns irre, wenn sie um unsere Ohren surrt und uns mit ihrem stoischen Todesmut an den Rand des Wahnsinns zu treiben pflegt.

Sie krabbelt über die Frühstücksauslagen, weidet sich an den Früchten unserer Arbeit. Sie schwirrt benommen und scheinbar ziellos um unsere Nasen. Sucht sich in bewundernswerter Ausdauer die immer selben Landeplätze auf nackten Beinen, an bloßen Armen und hie und da an Körperstellen, die wir recht selten nur der Sonne preisgeben. Sie lässt sich weder verwirren noch abhalten von schwerer Dresche mit der Tageszeitung, noch von Handkantenschlägen, die einen Schwergewichtler aus den Latschen kippen würden.

Brachycera ist ein zähes Luder, vermehrt sich sprichwörtlich und scheint allein auf dieser Welt zu sein, um uns das Leben schwer zu machen. Würden wir genauer hinsehen, so bietet dieses kleine Flügelvieh durchaus Anlass zur Bewunderung.
Sie macht sich die Van-der-Waals-Kräfte zu Nutze, mit Hilfe derer sie ohne weiteres an spiegelglatten Flächen Halt findet.

Brachycera ist überdies eine wahre Virenschleuder und damit schlagkräftiger in ihrer Vernichtungskraft, als jedes von Menschen ausgeklügelte Kampfsystem. Als jedes …? Weiterlesen

Kein Kirschbaumkind

Posted in Autorenarbeit, Leben, Liebe, Short Storys with tags , , , , , , , , on März 30, 2011 by Heike Pohl

„Hast Du es gelesen? Was sie geschrieben haben? Über Lisa?“
Kopfschütteln.
Ein Blick, der nicht nach außen gerichtet, sich verliert in den Bildern der Erinnerung.
Der Vater schweigt.
Ihm fehlen die Worte, seit wenigen Wochen. Es ist nicht so, dass sie nicht da wären. Aber sie wollen nicht über seinen Mund kommen. Und es wären zu viele. Und sie wären nicht geordnet, ergäben am Ende keinen Sinn.
Alles ergibt keinen Sinn. Nicht mehr. Seit wenigen Wochen.
Und wo dem Vater nur das Schweigen hilft, da geht die Mutter den anderen Weg.
Sie redet.
Sie kann nicht aufhören, zu erzählen.
Von den Freunden.
Von all den Briefen, die kamen. Auch von offizieller Seite.
Von den Zeitungen, die sich interessieren.
Von all den fremden Menschen, die sich ihnen so nah fühlen, seit es geschah.
„Sogar die Wischniewskis, die seit Jahren auf die andere Seite sehen, …“, sagt sie nun und dreht das Glas Wasser auf dem kahlen Tisch.
Und der Vater sieht an ihr vorbei, hinaus aufs Meer.
Er kann die Möwen rufen hören, von denen Lisa erzählte, sie habe ihnen Brot über Bord hinaus geworfen. In der Luft noch hätten sie es gefangen und sich darum gezankt.

‚Möwen zanken ungemein elegant, Papa. Es sieht aus, als würden sie miteinander tanzen, dort in der Luft. Und mit dem Wind.‘

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Zwitschern – Vol1

Posted in Gedanken, Gewissen, Gezwitscher with tags , , , , on März 12, 2011 by Heike Pohl

Zwitschern (auch Twittern genannt) ist eine recht merkwürdige Form der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Wenn man bedenkt, wie viel Zeit verging, bis von Mensch zu Mensch in vollständigen Sätzen gesprochen wurde,
dann ist es umso erstaunlicher, dass man nun wieder dazu übergeht, sich in merkwürdigen Lauten und Zeichen zu verständigen.

Ganze 140 Zeichen stehen mir zur Verfügung, das loszuwerden, was ich mitteilen will.
Ja, Sie haben richtig gelesen. Einhundertvierzig.
(Sämtliche Buchstaben, Zeichen und vor allem AUCH Leerzeichen mit gerechnet!)

Ich bitte Sie – welche Frau schafft es, mit 140 Zeichen aus zukommen?

Mein erster Text scheiterte auch direkt daran, dass alleine der von mir ausgesucht Link, mit dem ich auf etwas sehr Originelles
– und damit auf mich – aufmerksam machen wollte, ganze 112 Zeichen verschlang. Das Smiley am Ende nicht mit gerechnet.

Was tun? (Ich gebe zu, ich frage nicht gern öffentlich, zumal das Ziel von Twitter ja sein soll, Texte zu multiplizieren, auf dass sie möglichst viele erreichen.) *Gugg mal, die Lusche peilts nicht* Weiterlesen