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Kein Kirschbaumkind

Posted in Autorenarbeit, Leben, Liebe, Short Storys with tags , , , , , , , , on März 30, 2011 by Heike Pohl

„Hast Du es gelesen? Was sie geschrieben haben? Über Lisa?“
Kopfschütteln.
Ein Blick, der nicht nach außen gerichtet, sich verliert in den Bildern der Erinnerung.
Der Vater schweigt.
Ihm fehlen die Worte, seit wenigen Wochen. Es ist nicht so, dass sie nicht da wären. Aber sie wollen nicht über seinen Mund kommen. Und es wären zu viele. Und sie wären nicht geordnet, ergäben am Ende keinen Sinn.
Alles ergibt keinen Sinn. Nicht mehr. Seit wenigen Wochen.
Und wo dem Vater nur das Schweigen hilft, da geht die Mutter den anderen Weg.
Sie redet.
Sie kann nicht aufhören, zu erzählen.
Von den Freunden.
Von all den Briefen, die kamen. Auch von offizieller Seite.
Von den Zeitungen, die sich interessieren.
Von all den fremden Menschen, die sich ihnen so nah fühlen, seit es geschah.
„Sogar die Wischniewskis, die seit Jahren auf die andere Seite sehen, …“, sagt sie nun und dreht das Glas Wasser auf dem kahlen Tisch.
Und der Vater sieht an ihr vorbei, hinaus aufs Meer.
Er kann die Möwen rufen hören, von denen Lisa erzählte, sie habe ihnen Brot über Bord hinaus geworfen. In der Luft noch hätten sie es gefangen und sich darum gezankt.

‚Möwen zanken ungemein elegant, Papa. Es sieht aus, als würden sie miteinander tanzen, dort in der Luft. Und mit dem Wind.‘

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