Archive for the Gedanken Category

Brachycera und die fleischfressende Standuhr

Posted in Fantastisches, Fundsachen, Geniales, Uncategorized, Viechereien with tags , , , , , , , on April 20, 2011 by Heike Pohl

Der Frühling ist da und mit ihm die gemeine Fliege, wissenschaftlich Brachycera genannt.

Da hilft es nichts, dass Brachycera – ganz wie wie wir selbst – zu den Spaltschlüpfern zählt: Sie macht uns irre, wenn sie um unsere Ohren surrt und uns mit ihrem stoischen Todesmut an den Rand des Wahnsinns zu treiben pflegt.

Sie krabbelt über die Frühstücksauslagen, weidet sich an den Früchten unserer Arbeit. Sie schwirrt benommen und scheinbar ziellos um unsere Nasen. Sucht sich in bewundernswerter Ausdauer die immer selben Landeplätze auf nackten Beinen, an bloßen Armen und hie und da an Körperstellen, die wir recht selten nur der Sonne preisgeben. Sie lässt sich weder verwirren noch abhalten von schwerer Dresche mit der Tageszeitung, noch von Handkantenschlägen, die einen Schwergewichtler aus den Latschen kippen würden.

Brachycera ist ein zähes Luder, vermehrt sich sprichwörtlich und scheint allein auf dieser Welt zu sein, um uns das Leben schwer zu machen. Würden wir genauer hinsehen, so bietet dieses kleine Flügelvieh durchaus Anlass zur Bewunderung.
Sie macht sich die Van-der-Waals-Kräfte zu Nutze, mit Hilfe derer sie ohne weiteres an spiegelglatten Flächen Halt findet.

Brachycera ist überdies eine wahre Virenschleuder und damit schlagkräftiger in ihrer Vernichtungskraft, als jedes von Menschen ausgeklügelte Kampfsystem. Als jedes …? Weiterlesen

Kurt Weidemann ist tot

Posted in Berlin, Gedanken, Mannsbilder, Unvergesslich with tags , , , , , , , , on April 1, 2011 by Heike Pohl

2006 wird meinem ehemaligen Chef, einem Ex-Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium, das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Ehrung findet im Schloss in Stuttgart statt. Der damalige Ministerpräsident Oettinger lädt ein.

Wir fliegen morgens von Berlin nach Stuttgart. Etwa 100 Gäste sind geladen, darunter etliche von ‚Rang und Namen‘.

Ich sehe mir die Menschen an, die dort versammelt sind. Manches Gesicht kenne ich. Andere sind mir gänzlich fremd.
Völlig aus der Rolle fällt ein älterer Mann mit weißem Haar, einem merkwürdigen Strohhut auf dem Haupt und einem schwarzen Ledermantel, der ihm bei mehr als 30 Grad im Schatten zur Hölle geworden sein muss.

Warum? Ich kann es nicht genau sagen, aber ich habe den Eindruck, dass er sich ebenso fehl am Platze fühlt, wie ich mich selbst. Wir stehen beide ein wenig verloren da, grad so, als hätten wir uns verlaufen.

In jovialer Geste legt sich zum Ende des offiziellen Teils dieser Feierlichkeiten die haarige Rechte meines Chefs auf meine Schulter.
„Lieber Kurt, das hier ist meine rechte Hand, die Frau Glück.“ Weiterlesen

Warum ich ins Wasser ging …

Posted in Gedanken, Uncategorized with tags , , , on März 22, 2011 by Heike Pohl

Lieber Leser,

wie es aussieht, hinterlässt mein spontaner Freitod sowohl Ratlosigkeit, als auch Bestürzung und Trauer. Vermutlich vorwiegend unter jenen von Ihnen, denen wir Tiere ganz besonders am Herzen liegen. All den Veganern, Vegetariern und wie ihr euch sonst so nennt. Ist ja nicht davon auszugehen, dass sich deren tierische Liebe auf uns Bären reduziert, oder?

Vielleicht werden Sie nun zusammen zucken, wenn ich Ihnen hier frei von der Leber weg sage, dass mir das mächtig am Fell abperlt.

Möglicher Weise wissen Sie das nicht, aber im Grunde meines Herzens und dem Ruf meiner Natur folgend bin ich ein Einzelgänger. Hätte ich nicht das Pech gehabt, in diesem völlig überalterten Zoo, mitten in dieser stinkenden Großstadt geboren zu werden, dann würde ich zumindest die letzten beiden Jahre in aller Ruhe und Einsamkeit verbracht haben.

Ja, so sind wir Eisbären. Wir hängen gerne unseren Gedanken nach, während wir durch die eisigen, weißen Weiten unserer Heimat am Polarkreis ziehen. Wir sind Jäger, müssen Sie wissen. Und nicht die schlechtesten. Diese pfiffigen Robben zu erwischen, wenn sie warten, bis man es fast zum Eisloch geschafft hat, um dann mit fiesem Grinsen zwischen den Barthaaren ab zu tauchen, das kann zur sportlichen Angelegenheit werden. Bei diesen Jagdausflügen stehen wir Bären unter Hochspannung, absoluter Konzentration, da würden Kollegen nur mehr stören, das sehen Sie ein, oder?

Kollegen sind das eine.

Drei Frauen auf 300 Quadratmeter und Weiterlesen

Die Gedanken sind frei

Posted in Gedanken, Gewissen, Gezwitscher with tags , , , on März 16, 2011 by Heike Pohl

… und selten waren sie freier, als in einem Social Network, wie Twitter das ist.

Die eigenen sind meist noch ein klein wenig freier, als die der anderen, so meine ich, viele Kommentare vieler über die jeweils anderen verstehen zu dürfen.

Über 140 Zeichen – und das in Folge – geht jeder Mensch ganz offensichtlich angesichts der Geschehnisse in Japan und im Nahen Osten auf seine eigene Weise mit seinen Gefühlen und Gedanken um.

Und? Ist das nicht gut so?

Bleibt,  allen Twitteren – inklusive mir selbst – mit einer japanischen Weise zu antworten:

„Von der Rede allein wächst kein Reis.“

Und die mehr zu geben haben, als ihre Gedanken, die twittern nicht gestern, nicht heute, nicht morgen. Dafür haben helfende Hände zur Zeit nämlich keine Zeit.

Aus einem schönen alten Volkslied:

Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!
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Die Gretchenfrage | The Day after …

Posted in Gedanken, Gewissen, Gezwitscher with tags , , , , , on März 14, 2011 by Heike Pohl

… aus der Reihe für den ‚Heim- und Gartenbedarf‘.

Ich frag mich ohnehin, was die so für sich selbst geplant haben für den Tag X, all unsere Atom-Lobby-nahen Strahlemänner und – frauen?

Für sich, ihre Kinder und Kindeskinder?

Und da fiel mir der gute alte Polt ein und die Antwort auf meine

Gretchenfrage

gleich mit.

Fly little Bird …

Posted in Gedanken, Gewissen with tags , , , on März 13, 2011 by Heike Pohl

Ich tu nichts,
denn für die Menschen in Japan hoffen.

Ich mag nicht klug reden.

Weder gegen die Atomlobby noch gegen die Politik,
die Teil unseres Systems sind, in und von dem wir alle
so wunderbar gedankenlos leben und konsumieren.

Außer an Tagen, wie diesen.

Und ich wünsche mir von Herzen, dass den Menschen in Japan
weiteres Leid erspart bleibt.

Mein ganzer Respekt gilt den Menschen, die sich nun freiwillig
und aus Überzeugung nach Japan aufmachen,
und ihre eigenen Leben in Gefahr bringen, um zu helfen:

Wie leicht schwätzt es sich doch  daher.

Zwitschern – Vol2

Posted in Gedanken, Gewissen, Gezwitscher with tags , , , , , on März 13, 2011 by Heike Pohl

Guttenberg ist kaum durch aller Munde gekaut, eingehend eingespeichelt und kollektiv geschluckt, da wird der ‚Dauerbrenner‘ von einer Katastrophe abgelöst, für die ich keine Worte finden kann.

Japan geht unter. Und wir alle sind live dabei. Und in Farbe. Mit trockenen Füßen und nassen Augen.

There’s a shadow of a man … at Hiroshima.

Es ist nicht all zulange her, da ich diesen alten Song wieder fand. Er hat mich eingehend an die Ungeheuerlichkeit erinnert, mit der die USA Japan und dem Rest der Welt ihre Stärke bewiesen haben. Weiterlesen